Zu Besuch bei Birrificio Italiano


Die Namenswahl wirkt selbstbewusst: Birrificio Italiano. Wo doch Italien so gross ist und Lurago Marinone ein kleines Kaff zwischen Como und Mailand. Eigentlich ist der Birrificio Italiano ja nur eine von mittlerweile über 850 Brauereien und Brew Pubs in Italien. Dennoch handelt es sich hier nicht einfach um eine unter vielen. Als erste «neuzeitliche» Brauerei der Lombardei eröffnet, ist Birrificio Italiano, in der Region kurz «Il Birri» genannt, ein Pionier der italienischen Craftbeer-Szene. Begonnen hat alles 1996 in Lurago Marinone mit einer 200 l-Brauanlage, offenen Gärbecken und vier Lagertanks, Occasion von Poretti gekauft. Dazu gehörte ein Restaurant. Schon bald wurde die Anlage auf 700 l vergrössert und 2005 auf 20 hl. 2014 wurde im Nachbardorf Limido Comasco eine neue Produktionstätte errichtet, die «Officina Alchemica». Am alten Standort besteht heute nur noch das Restaurant mit seiner Terrasse im Schatten grosser Bäumen. Diese kommen an einem regnerischen Abend Ende September natürlich weniger zur Geltung als an einem heissen Sommertag.



Der Besucher des Restaurants hat eine Auswahl von zwölf B.I.-Bieren ab Zapfhahn und stellt beim Durchprobieren bald fest, dass es für jedes dieser Biere ein eigenes mit dem Namen des jeweiligen Biers beschriftetes Glas gibt, von der schlanken Tulpe über verschiedene Kelche bis zu konischen American Lager-Gläsern. Am auffallendsten sind wohl der in seiner Form dem Chimay-Glas ähnliche Kelch für das «Amber Shock» und das zylinderförmige, etwa so hohe wie breite Glas für das «VuDù». In jedem Fall türmt sich auf dem Bier eine beeindruckende, meist sehr standfeste Schaumkrone.



Angefangen hat der Birrificio Italiano 1996 mit untergärigen Bieren, die auch heute noch einen grossen Teil der Bierkarte ausmachen. Das «Tipopils» war das erste Bier. Es steht auch heute noch auf der Karte. Der Brauer Agostino Arioli, hat mit dem begonnen, worauf sich mittlerweile viele Craftbrauer besinnen: untergäriges Brauen.

Lange Zeit wurde das untergärige Bier von vielen der neu aufkommenden Brauereien den Industriebrauereien überlassen, die zwar grosse Mengen, aber ohne kreative Ansprüche produzierten. Das hat nicht nur mit dem grösseren technischen Aufwand zu tun. «Stange hell» galt vielen irgendwie als Inbegriff des Bierbanausen.

Auf der Karte des «Birri» steht eine ganze Reihe untergäriger Biere – untergärig, aber anders, könnte das Moto lauten. Alle bieten sie Geschmackserlebnisse, die wenig mit «Stange hell» zu tun haben. Das «Tipopils» war weltweit das erste Pils mit Dryhopping. Der Einsatz von grossen Mengen an amerikanischem Hopfen macht das «Huxley» zu einem India Pale Lager. Neu ist das «Lucid Dreams», ein New England-Pils mit Beigabe von Weizen- und Roggenmalz und haufenweise Hopfen. Das «Negrida» schliesslich ist ein Schwarzbier, aber gehopft in Art und Menge, wie es typisch ist für ein India Dark Ale. Ein Teil des verwendeten Hopfens wird für dieses Bier zudem vorgängig getoastet. Mit diesen Beispielen ist die Liste der untergärigen Biere aber noch längst nicht vollständig. Einige Biere gibt es nur saisonal, wie zum Beispiel das «Imperial-Pils», das eine Portion Grünhopfen in den Whirlpool erhält und deshalb nur von November bis Januar auf der Karte steht.



Natürlich gibt es inzwischen auch ein paar Obergärige im Birri-Sortiment: Zum Beispiel das Weizen, das «Asteroid 56013», ein West Coast IPA, gehopft mit Cascade, ein mit Pfeffer gewürztes Oatmeal Stout oder das am World Beer Cup 2010 mit einer Goldmedaille ausgezeichnete «VuDù». Das hat nichts mit Geisterbeschwörung zu tun. Der Name leitet sich vom ursprünglichen Bierstil ab, dem deutschen Weizen Dunkel. W. Du., italienisch ausgesprochen.


Birrificio Italiano braut pro Jahr rund 7500 hl. Trotz der nicht übermässig grossen Jahresproduktion werden die Biere unter anderem in die USA, nach Grossbritannien, Deutschland und Japan exportiert.


An der Craft Basel am 9. November 2019 ist der Birrificio Italiano zusammen mit Birrificio Lambrate, Mister B und Bibibir mit einem Collab-Stand vertreten.


Tickets sind online hier erhältlich: www.bier-ideen.ch/online-buchen

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Beat Aellen bier-ideen.ch

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